Blazer Morris mit unschlagenen Ärmeln

Im Mai habe ich erfolgreich ein weiteres Mal die Arbeit
gewechselt. Ich bin ja davon überzeugt, dass man in der heutigen Zeit nicht
mehr sein Leben in einer Firma verbringt, sondern sich die berufliche Situation
mit der privaten mit entwickelt. 

Was ich aber schon immer wusste, war, dass ich irgendwann an einem
Schreibtisch sitzen mag. Um mich herum Ordner voll Papier. Vor mir ein
Bildschirm in den ich wichtige Dinge schreibe.

In meinen damals jugendlichen Gedanken
blieb allein die Vorstellung einer Sekretärin. Eine, die immer alles managt und
ganz viel Papier abheftet. Meine Eltern wussten, dass ich mit ihrem hohen Einkommen
keinerlei Chance auf Bafög hatte und schubsten mich in Richtung Ausbildung.
Mich trieb es mit dieser Einstellung erst einmal ganz weit weg von zu Hause. 450km waren das
weiteste, was sich auftreiben ließ. Und Industriekauffrau sollte es werden. Bis
zu dem Anruf, ob ich mir mit Abitur nicht auch ein firmenbegleitetes
Berufsakademie-Studium in Richtung Wirtschaftsinformatik vorstellen konnte. Welch ein Segen für meine sparsamen Eltern, konnte sich das Kind doch nun
ordentlich bilden und sich auch noch selbst unterhalten. Mit 21 war ich zwar
noch nicht bereit fürs Arbeitsleben, hatte aber die in der heutigen Zeit (leider) noch immer notwendigen Papiere, um zumindest so zu tun und voll durchzustarten.

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So bereiste ich in meinen 20ern als SAP-Beraterin alles aufsaugend und total gespannt die Welt
und würde es immer wieder tun. (Im Gegensatz zum BA-Studium.) Belgien, England,
Frankreich, Schweiz und USA. Oh ich liebte diese ungebundene Zeit, auch wenn
sie voller Arbeit und Herausforderungen war. Sie gab mir all das Selbstbewusstsein, welches mir meine
Eltern nie gaben, und vor allem die Ruhe, heute in einer Kleinstadt ohne viel
Aufregung das glücklichste Familienleben zu führen. Einfach weil ich jetzt weiß, was das Wörtchen Heimat bedeutet und der Frühling nirgends so gut riecht, wie hier.

„Alles hat seine Zeit.“
Mit dem Kinderwunsch sagte ich dem Beraterleben Lebewohl und
versuchte mich am Spagat zwischen Berufs- und Familienleben. Das ist/war für
mich eine wirkliche Herausforderung. Ich liebe
meine Arbeit und ich liebe meine Kinder. Es wird nicht DEN Weg geben, aber es
gibt den achtsamen Weg, dass keiner zu kurz kommt.

Ich bin viele Wege gegangen, habe mich nicht vor
Veränderungen gescheut, wenn sie nötig waren und blicke zufrieden zurück. Es
gibt nichts, was ich aus heutiger Sicht hätte anders machen wollen/sollen/können.
Ich habe meine Träume umgesetzt, revidiert und bin neuen Träumen nachgegangen.
Alles was in meiner Hand lag und realistisch war, habe ich getan.

Aber ich blicke auch optimistisch nach vorn. Es hat ein
neues Beraterleben begonnen, was sich gut anfühlt und zu unserem Familienleben
passt. D.h. nicht, dass das bis zur Rente so weitergehen wird, aber ich kann
darauf vertrauen, dass ich auch diesmal den Punkt erkennen werde, wenn es Zeit
für etwas Neues ist und den neuen Weg mit all seinen Höhen und Tiefen gehen
werde.

Warum ich Euch das heute erzähle?

Weil mein liebster Blazer nach dem Schnitt „Morris“ von Grainline Studio von meiner neuen Arbeit inspiriert wurde. Dort gibt es eine Kollegin, die auch gern Blazer trägt. Darunter ein lockeres Shirt und fertig ist das perfekte Büro-Outfit. Der eine Blazer hatte es mir besonders angetan. Er war auch grau. Eigentlich ganz schlicht, nur dass die Ärmel mit Streifenstoff gefüttert waren und nach Belieben umgeschlagen werden konnten. Das gefiel mir so gut, dass ich plante, es bei meinem Morris umzusetzen.

Schon länger hatte ich den Blazer auf meiner To-Sew-Liste bzw. To-Overthink-Liste. Denn verlängert, zugeschnitten und genäht hatte ich ihn wirklich schnell. Aaaaaber, wenn Frau nicht denkt und sich VORHER ordentlich informiert, dann merkt sie erst hinterher, dass der Schnitt inkl. NZ ist. Pfffff .. Und so lag er viel zu groß und nicht tragbar in der UFO-Kiste. Ich besorgte nörgelnd neuen Stoff und dachte nicht im Traum daran, den alten Blazer wieder aufzutrennen. Bis zu einem denkwürdigen Abend, an dem es mich packte und ich alles auftrennte und neu nähte.

Für die Tonne war der Stoff einfach zu schön. Zu edel. Und einfach .. zu schade.

Aber die Mühe hat sich gelohnt!! Ich liiiiebe diesen Blazer und könnte ihn ständig in allen möglichen Kombinationen tragen. Er passt perfekt zu mir. Nicht zu sportlich, nicht zu schick. Einfach ich.

Gut, dass der gleiche Stoff in einem dunkleren Grau noch im Stoffregal liegt. Das wird dann noch ein Morris. Vielleicht mit dezent gepunktetem Ärmel-Innenfutter!? Mal sehen.

—–
Stoff: Punta di Roma anthrazit vom Stoffhandel Arnstadt mit einer wundervollen edlen Struktur. Ganz wunderbar zu tragen.
Schnitt: Blazer Morris von Grainline Studio
Änderungen: Vorder- und Rückteil 5cm verlängert. Ärmel nicht verlängert. Damit waren sie dann aber definitiv gut 5cm zu kurz. Deswegen die Umschlagvariante auf 3/4 Länge.

15 Kommentare

  1. Oh SIndy, welch wunderbarer Beitrag!
    Und dein Blazer- einfach wunderbar!
    Ich habe heute eine Lola ins Rennen geschickt 😉 Danke für den Tipp!
    Ich freue mich über jede Inspiration von dir!
    Ganz liée Grüße
    Fina

  2. Sindy, das klingt alles spannend! Ich freu mich für dich!
    Und mit dem Morris Schnitt hast du mich angefixt – den brauch ich jetzt auch! Werd gleich mal gucken gehen 😉
    Dir eine (weiterhin) gute Zeit mit der neuen Aufgabe,
    liebste Grüße,
    Maarika

  3. Deine Mühe hat sich aber sowas von gelohnt!
    Einen ganz tollen Blazer hast Du Dir genäht. Gefällt mir super!
    Ganz liebe Grüße Katrin

  4. Liebe Sindy
    Vielen Dank für deine persönlichen Worte! Ich finde es total spannend, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen! Und dein Morris Blazer ist so was von edel und cool zu gleich! Super, hast du dir doch noch die Mühe gemacht alles aufzutrennen! Hat sich definitiv gelohnt! Ich würde den Blazer sofort auf der Stelle anziehen!
    Liebe Grüsse
    Eveline

  5. Hallo Sindy, ich bin gerade durch RUMS auf deine Seite aufmerksam geworden. 🙂 Toller Text der Satz: "Einfach weil ich jetzt weiß, was das Wörtchen Heimat bedeutet und der Frühling nirgends so gut riecht, wie hier." Da steckt soviel Wahrheit dahinter! Wirklich sehr schön geschrieben. Und der Blazer ist auch ein Traum! Ich möchte auch schon so lange einen nähen, aber irgendwie hab ich es bis heute nicht geschafft.^^ Deine lässige Kombination, ist echt toll…da muss ich wohl echt auch langsam mal ran. Von mir also ein ganz dicker Daumen nach oben! 🙂
    Liebe Grüße Nessa

  6. Liebe Sindy,
    deinen Beitrag habe ich gleich zwei Mal gelesen. Es ist sehr spannend, zu lesen, wie sich alles bei dir weiterentwickelt hat und schön zu lesen, wie gut es dir damit geht und wie zufrieden du wirkst (was man auch immer auf deinen Bildern sehen kann). Der Blazer ist klasse – der Schnitt steht schon lange auf meiner Wunschliste. Gut, dass du ihn noch einmal in Angriff genommen hast.
    Liebe Grüße
    Elsa

  7. Zum Glück konntest du dich doch noch überwinden, es wäre ewig schade um den tollen Stoff gewesen! Dein Blazer ist wirklich schick geworden und für die neue berufliche Herausforderung alles Gute! 🙂

    Glg
    Claudia

  8. Das gesamte Outfit ist einfach perfekt! Wie Du schreibst, nicht zu sportlich, nicht zu elegant – genau richtig! Der Blazer gefällt mir so gut, dass ich darüber nachdenke, ob der nicht was für mich wäre… aber ich glaube, mir steht einfach kein Reverskragen…
    Schön, mehr über Dich zu lesen und immer interessant! Gut, dass Du angekommen bist und trotzdem in Bewegung bleibst und offen für Veränderungen.
    Alles Liebe,
    Steffi

  9. Ein sehr persönlicher Blogpost und einen interessanten Einblick, denn du uns da in dein Leben gibst. Und trotzdem steht dein Blazer "im Mittelpunkt", denn ich übriges toll finde. Blazerschnitte gibt es ja einige, aber den finde ich sehr interessant und du hast ihn toll umgesetzt. Ich muss gleich mal stöbern gehen. LG, Esther

  10. Hallo. Schön zu lesen, danke für den persönlichen Einblick. Der Blazer ist wie für Dich gemacht. Ja. Das Trennen hat sich gelohnt, einfach perfekt. Schöne Bilder, die genau das ausstrahlen, was ich dem Blogpost entnehmen kann: Du ruhst in Dir. Schön. Beruflich muss sich bei mir was ändern. Ja. Muss… daran arbeite ich gerade. Viel Freude bei der Arbeit

  11. Ich stimme dir in allem zu und habe ähnliche Erfahrungen gemacht und natürlich habe ich den Schnitt und grauen Sweat dafür auch hier liegen 😀 Wäre ja sonst auch nicht konsequent 😉 Ich denke es ist sehr wichtig immer zu hinterfragen ob man noch zufrieden ist und im Zweifelsfall was zu ändern. Ich glaube viele haben Angst davor, dabei ist es so eine schöne Erfahrung zu erleben, was man alles aus eigener Kraft schaffen kann. Und die Erfahrung halt auch im Rücken zu haben. Danke für den Einblick 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  12. Was für ein schöner Beitrag! Erst einmal gefällt mir dein Blazer sehr gut, vor allem das Detail mit dem gestreiften Stoff – ein echter Hingucker! Und dann zu lesen, dass du so umsichtig deinen Weg gehst und immer wieder Neues wagst und auf deine Bedürfnisse und die deiner Lieben hörst – toll! Ich bin ja schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach neuen Herausforderungen und habe den Weg dorthin leider noch nicht gefunden… Die Hoffnung habe ich allerdings auch noch nicht aufgegeben. 🙂

    Lieber Gruß
    Steffi

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