Nähcamp von Elle Puls – Mein Erfahrungsbericht

Bestimmt habt Ihr schon einmal mitbekommen, dass ich in den letzten vier Jahren, das ein oder andere Nähtreffen besucht habe. Ich bin jetzt zwar nicht so der typische Gruppennäher, aber ab und zu finde ich es wirklich nett, mich mit Gleichgesinnten ein ganzes Wochenende lang nur dem einen zu widmen: NÄHEN.

Angefangen hat damals alles vor acht Jahren mit einem Nähtreffen in Jena, welches alle vier Wochen sonntags statt fand. Wir trafen uns unter der Organisation von Steffi von Flora Fadenspiel zum gemeinsamen Frühstück und nähten dann bis zum frühen Abend. Mein großes Mädchen war gerade zwei Jahre alt geworden und ich freute mich über ein paar Stunden ungestörte Nähzeit. Wenn ich so zurückblicke, war das wohl das Hauptargument für die Teilnehmer des Nähtreffs. Es waren fast ausschließlich junge Mamas dabei, die wussten, dass sie zu Hause nie so viel zusammenhängende Zeit an der Nähmaschine verbringen würden.

Mein großes Mädchen war damals leider noch seeeehr anhänglich, so dass es uns als Familie sehr stresste, wenn ich den Sonntag außerhalb von zu Hause verbrachte. Und so entschied ich mich letztendlich schweren Herzens für die Familie und gegen den regelmäßigen Nähtreff. Ich behielt ihn zwar im Hinterkopf, schaffte es aber nach vier Besuchen einfach nicht mehr ungezwungen hinzugehen.

Was blieb, war das Gefühl, mit meinem Nähhobby langsam aber sicher zu vereinsamen. So gern ich abends, nachdem mein großes Mädchen im Bett war, auch nähte, ich musste mich immer zwischen sozialen Kontakten und meinem Hobby entscheiden. Irgendetwas blieb immer auf der Strecke.

Zu der Zeit rief ich meinen Nähblog ins Leben. Ich war zwar schon eine Weile als DIY-Bloggerin unterwegs, suchte aber immer noch nach einem Schwerpunkt. Diesen fand ich dann ziemlich schnell im Nähen und darüber wieder super liebe gleichgesinnte Nähbloggerinnen. Diese waren über ganz Deutschland verteilt und genau wie ich abends allein im Nähzimmer. Da war es natürlich eine gelungene Abwechslung, wenn man sich virtuell zum gemeinsamen Nähen verabredete oder tagsüber dazu telefonierte. Ich fand meinen Kompromiss zu fehlenden sozialen Kontakten also in meinem Nähblog und setzte mich quasi mit stetig hohen Nähquote selbst unter Druck, wollte ich doch darüber mit anderen in Kontakt bleiben.

So kam es, dass ich von einem kleinen feinen Nähtreffen in Berllin erfuhr. Organisatorin war auch damals schon Elke Puls, die ihr bestimmt bereits über ihren Blog „Elle Puls“ und ihre Nähcamp-Tour kennt. Der Großteil der damaligen Teilnehmerinnen war selbst Nähblogger und genauso wie ich daran interessiert, die geschlossenen Onlinefreundschaften real werden zu lassen. Wir stellten es uns großartig vor, unsere Kontakte in Verbindung mit einem Wochenende, an dem für uns gekocht wird und an dem wir uns uneingeschränkt dem Nähen widmen können, zu vertiefen. Und so war es auch!

Wir verbrachten wundervolle Stunden zusammen und es war ganz so, als ob wir uns alle schon ewig kennen würden. Auch mit den Teilnehmerinnen, die ich eigentlich vorher noch nicht kannte, konnte ich mich von Anfang an ungezwungen unterhalten. Warum? Na weil wir einfach von unserem liebsten Hobby erzählten und innerhalb weniger Minuten stundenlang hätten durchquatschen können. Da war es manchmal richtig schwierig wieder zurück an die Maschine zu gehen und weiterzunähen.

Was ich an den von Elke organisierten Nähtreffen schon immer am meisten mochte, war das Hotel um uns herum, welches stetig dafür sorgte, dass es uns an nichts fehlte. Mein Zimmer befand sich bei jedem Treffen nur wenige Meter entfernt im selben Hotel und wenn ich etwas brauchte oder kurz einmal für mich sein wollte, konnte ich das sofort umsetzen. Das war und ist für mich ein wichtiger Punkt. Ehrlich gesagt kann ich es mir schon gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, wenn die Unterkunft nicht dort ist, wo man näht.

Ich besuchte zwei der kleinen Nähcamps in Berlin und fuhr jedes Mal beschwingt mit dem Gefühl 30 neue Freundinnen gefunden zu haben nach Hause. Immer wehmütig, aber auch immer mit einem guten Gefühl, dass man über das gemeinsame Hobby den Kontakt gewiss nicht verlieren würde.

Und so freute ich mich ganz besonders als ich vor ein paar Wochen in den Genuss eines der neuen Nähcamps kam. Ich durfte an dem Nähcamp in Leipzig teilnehmen und Elke hinter den Kulissen unterstützen. Ich war sehr gespannt, was Elke sich für ihre Teilnehmerinnen ausgedacht hatte. Was würde wohl im Goodie-Bag sein und wie ist das, wenn man auf einen Nähcoach zugreifen kann?

 v.l.n.r. Näh ich mir!-App, Laura Hertel als Nähcoach vom Blog Tagträumerin, Elke, ich, Steffi und Monika von Zuleeg mit wundervollen Stoffen im Gepäck.

Also grundsätzlich finde ich, dass es sich für alle, die daheim im stillen Kämmerlein nähen und sich mal ein Wochenende nur für sich und ihr Hobby gönnen wollen, definitiv lohnt, ein Ticket für das Nähcamp zu kaufen. So intensiv wie an dem Wochenende kann man sich eher selten bis gar nicht seinem Hobby widmen, wenn daheim die Familie und die Hausarbeit ständig präsent sind. Im Hotel unter Gleichgesinnten wird definitiv keiner auf die Idee kommen, den Staubsauger für die Flusen rauszuholen ..

Ich muss auch wirklich sagen, dass Elke bei der Planung der Nähcamps an alles gedacht hat. Neben der all-inclusive Betreuung des Hotels, hilft ein Nähcoach bei Fragen zu kniffligen Nähtechniken, kann man einen im Preis inbegriffenen Workshop besuchen oder, was ich ja am schönsten fand, neben dem Nähen noch Stoffe shoppen. Dazu kooperiert Elke in jeder Stadt mit einem ortsansässigen Stoffverkäufer, der dann zu Sonderkonditionen einen Teil seines Lagers im Nähraum aufbaut.

In Leipzig waren Zuleeg vor Ort und brachten einen ganzen Kleinbus an wahren Stoffschätzen mit.

Mit dem exklusiven Nähcamp-Rabatt konnte auch ich mich nicht beherrschen und kaufte einen wunderbar weichen, dunkelblauen Chenille-Stoff, den ich Euch schon bald verarbeitet vorstellen werde.

Steffi von Zuleeg konnte man dann auch im ersten Workshop mit Thema Stoffkunde erleben. Eine sehr interessante und kurzweilige Veranstaltung, die keine Fragen offen ließ.

In einem weiteren Workshop konnte man mit Elkes Anleitung eine Bluse Sidney nähen. Aufgrund der hohen Nachfrage gab es sogar zwei Workshops, damit jede Interessentin ihre eigene Bluse nähen konnte.

Dabei stand Elke nicht nur vor den Teilnehmerinnen, sonder legte auch selbst Hand an.

Am Ende konnten wir eine glückliche und stolze kleine Gruppe an neuen Sidney-Besitzerinnen in dem sehr fotogenen Foyer des Hotels fotografieren:

Ein weiterer Workshop wurde von Melanie Löbstedt vom feinen Stofflädchen Melonie zum Thema Reißverschlüsse gehalten.

Während die einen in einem Workshop ihr Wissen vertieften, nähten die anderen im großen Nähraum an ihren Projekten weiter. Dort wurden sie von Laura Hertel vom Blog Tagträumerin und Besitzerin des Brautmodengeschäfts Schleifenfänger bei kniffligen Herausforderungen fachmännisch, mit bester Laune und viel Geduld unterstützt.

Spontan sammelte sich eine kleine Gruppe, die mehr zum Thema Abnäher wissen wollte, um Laura und konnten von ihrem Fachwissen als gelernte Schneiderin profitieren.

Es war ganz wundervoll mit Laura zu plaudern und noch immer bin ich unendlich stolz, dass sie mich lobte, wie sauber und genau ich vorbereite und nähe. Hach, das ging runter wie Öl ..

Weiterhin hatte Elke eine kleine Bibliothek an Nähbüchern und Schnitte, die man für ein Nähprojekt benutzen konnte dabei.

Zur Inspiration für weitere Nähprojekte konnte man drei Lieblingsteile mitbringen und mit Schnitt und Größe beschriften. Wenn man dann einmal genug vom Nähen hatte, konnte man die Kleidungsstücke anprobieren und vielleicht die ein oder andere Entdeckung machen.

Natürlich hatte Elke auch bei der Ausstattung des Nähraums an alles gedacht. Neben dem notwendigen Spiegel, gab es drei Bügelbrettern mit Bügeleisen und diverse Schneidematten. Wer was mitbringen kann und andere Abstimmungen waren über eine gemeinsame Facebook Gruppe, die Elke im Vorfeld anlegte möglich. Ich fand es toll, schon vorher mit den Teilnehmerinnen in Kontakt zu stehen.

Wie ist also mein Fazit zu meiner Teilnahme am Nähcamp?

Ich fand es unglaublich produktiv, inspirierend, gesellig und lecker, aber auch wahnsinnig anstrengend .. So ein ganzes Wochenende nur Nähen, Reden und Essen ist zwar toll, aber mich verleitet es immer wieder, die Zeit ausgiebig zu nutzen und am Ende total fertig nach Hause zu fahren. Das liegt natürlich bei jedem selbst, wie viel man näht und dabei noch dran denkt zu stoffwechseln, aber ich werde wohl zukünftig noch einen Tag Urlaub an das Wochenende anhängen müssen.

Für mich sind all die Eindrücke viel zu intensiv, als dass ich mich dabei so richtig entspannen könnte. Dafür rede ich einfach zu gern und lasse mich von anderen inspirieren. Aber das ist noch lange kein Grund, den Nähcamps in Zukunft fern zu bleiben. Im Gegenteil.

Ich brauche solche Nährunden nicht jede Woche bzw jeden Monat, aber so ein- bis zweimal im Jahr ist das sicher eine schöne Sache. Es ist einfach schön, ein ganzes Wochenende in das liebste Hobby abzutauchen und zu wissen, dass man weder Kochen noch Putzen muss.

Natürlich birgt das ganze einen gewissen Aufwand, wenn man daheim alles zusammenpackt und man genau überlegen muss, was man an dem Wochenende alles nähen will. Ich bin ja eine von der Sorte, die grundsätzlich zuviel einpackt, die aber auch genau das braucht. Meist kann ich heute noch nicht sagen, auf was ich morgen Lust haben werde. Von daher ist es gut, lieber mehrer Projekte dabei zu haben. Da zahlt es sich bei mir aus, dass ich mich immer in meinem Farbspektrum – grau, blau, schwarz – bewege. Das minimiert z.B. die Kisten an Garn, die ich sonst mitschleppen müsste.

Mir hilft es sogar, mein kleines Nähzimmer wieder mit anderen Augen zu betrachten. Ich nehme so viel mit, dass es bis auf das Stofflager fast leer ist und ich endlich mal dazu komme, auch die letzte „Dreckecke“ aufzuräumen. Als ich nach Leipzig aufbrach, habe ich es sogar einmal wieder geschafft zu wischen, als keine Nähmaschinenkabel mehr auf dem Boden lagen. Das große Packen hat also durchaus auch seine Vorteile.

Im nächsten Jahr werde ich wohl wieder an einem Nähcamp teilnehmen „müssen“. Es ist einfach zu verlockend, sich ungestört dem schönsten Hobby widmen zu können. Und da meine Mädchen mittlerweile auch gut mal ohne mich auskommen, muss ich da nicht lang überlegen.

Ach nein, ich muss doch noch überlegen .. nämlich ob ich im Januar nach Berlin oder im September nach Dresden fahre.

Nähcamp in Berlin 25.-27.1.2019

Nähcamp in Dresden 13.-15.09.2019

In Berlin würde ich dann wie immer einen kleinen Abstecher zu 1000Stoff und Stoff&Stil einplanen. In Dresden überlege ich, noch einen Tag länger zu bleiben und mir die Stadt anzuschauen. Das wäre die perfekte Kombination.

Und falls Ihr Euch fragt, was ich in all den Stunden in Leipzig genäht habe .. ich habe alles gegeben und es leider doch nicht geschafft meinen Duffle Coat aus German Tweed fertigzunähen. Im letzten Moment musste ich einsehen, dass die Toggle Buttons einfach nicht die richtige Farbe hatten. Und die müssen angenäht werden, bevor ich das Futter mit dem Außenmantel verbinde. Viele Bilder gibt es von mir und meinem Nähprojekt nicht, weil ich ja, wie gesagt mit Nähen und Unterstützen beschäftigt war 😉

Ich hätte einfach Verschlüsse in der passenden Farbe kaufen können, aber nein .. ich bin mal wieder auf dem Selbermach-Trip und habe gestern einen Bogen Leder bekommen, aus dem ich mir selbst die passenden Knöpfe zusammenbastle. Einmal DIYler, immer DIYler. Das ist mein Schicksal.

2 Kommentare

  1. Susanne Kaiser

    Liebe Sindy,
    sehr schön geschrieben und ich kann da bei vielem uneigeschränkt zustimmen . Ich brauch das aich nicht ständig (bin schon als Kind gern auch mal allein gewesen) aber so ein bißchen realer Austausch ist schon echt schön! Ich werde definitiv nächstes Jahr auch wieder ein Ticket buchen!
    Liebe Grüße
    Susanne

  2. Gabi Kicova

    Hallo Sindy,
    danke für deinen schönen Beitrag. Mir geht es ähnlich. Mit zwei kleinen Kindern und Job komme ich nur Naht für Naht vorwärts. Ich möchte dabei entspannen, im Kopf, und Nähen hilft mir. Um die richtige Nähwellness zu betreiben, ist der Comfort drumherum essentiell :-), vielen lieben Dank auch an Elke, auch hier :-).
    Habe eine Frage: darf ich dein Foto (auf dem ich auch drauf bin) für mein Instagram account verwenden? Ich bin die mit der braunen Hose auf dem Tisch, zusammen mit Laura.
    Danke und liebe Grüße
    Gabi

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